28.05.2026
Gemeinschaft

Wo alle willkommen sind: Das Mehrgenerationenhaus Doppelfisch

Wo alle willkommen sind: Das Mehrgenerationenhaus Doppelfisch

„Orte voller Leben – Orte, die verbinden"

Am 22. Mai 2026 wurde Hamburg zum Startpunkt für eine bundesweite Bewegung: Im Mehrgenerationenhaus Doppelfisch in Billstedt eröffneten die Aktionstage des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus – mit rund 150 Gästen, Musik, Begegnungen und einem klaren Zeichen: Kirche ist dort lebendig, wo sie mitten im Quartier für die Menschen da ist.

Von Christian Schierwagen

Ein Kinderchor, eine hauseigene Band, ein Ukulelen-Orchester und dazwischen Menschen aus allen Generationen, Kulturen und Lebenswelten: Was am Nachmittag des 22. Mai 2026 in der Merkenstraße 4 in Hamburg-Billstedt gelebt wurde, zeigt, wofür das Mehrgenerationenhaus (MGH) Doppelfisch steht. 

Rund 150 Gäste gaben gemeinsam den Startschuss für die bundesweiten Aktionstage des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus unter dem Motto „Orte voller Leben – Orte, die verbinden". Mit Leben füllt das Haus in Billstedt auch die Ev.-Luth. Kirchengemeinde in Schiffbek und Öjendorf – und über 100 Ehrenamtliche.

Seit fast zwei Jahrzehnten mittendrin in Billstedt

Das MGH Doppelfisch ist kein neues Projekt. Bereits seit 2007 ist das Haus Teil des bundesweiten Aktionsprogramms – und gehört damit zu den ältesten Häusern im Netzwerk der rund 530 Mehrgenerationenhäuser, die im Rahmen des Bundesprogramms „Miteinander – Füreinander" gefördert werden. Das Angebot im Haus reicht von generationenverbindenden Frühstücksrunden und einer Kita über Kreativkurse für alle Altersgruppen bis hin zu einer Reparaturwerkstatt, einem Jobcafé mit Beratungsangeboten und vielem mehr.​

Rainer Picker, der das Haus leitet, fasst es so zusammen: „Im Laufe der Jahre hat sich diese Arbeit verwurzelt und immer mehr Menschen ansprechen können. Wir können über die Jahre wirklich sagen, dass wir zu einem lebendigen Ort geworden sind, der gern aufgesucht wird. Und der Menschen mit allem, was sie in sich tragen, so nimmt, wie sie sind."​

100 Ehrenamtliche: Mehr als Hilfe

Mehrere Ehrenamtliche bieten im Doppelfisch Mehrgenerationenhaus Essen an
„Viele dieser Menschen merken, dass sie damit nicht nur andere unterstützen, sondern sie spüren, dass es auch ihnen selbst gut tut."

Was ein Mehrgenerationenhaus trägt, ist vor allem das Engagement der Menschen, die freiwillig ihre Zeit einbringen. Allein im MGH Doppelfisch engagieren sich weit über 100 ehrenamtliche Menschen. Bundesweit sind es rund 30.000 Ehrenamtliche, die das Netz der Mehrgenerationenhäuser am Leben erhalten. Dass freiwilliges Engagement eine hohe gesamtgesellschaftliche Bedeutung hat, unterstreicht auch der sechste Freiwilligensurvey 2024: Rund 26,97 Millionen Menschen in Deutschland – das entspricht 36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren – engagieren sich freiwillig.​

Picker beschreibt, was viele Ehrenamtliche antreibt: „Viele dieser Menschen merken, dass sie damit nicht nur andere unterstützen, sondern sie spüren, dass es auch ihnen selbst gut tut – und dass dieses Tun auch das innere Selbst stärkt." Ehrenamt bedeutet keine Einbahnstraße: Es schafft Verbindungen – gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt zunehmend unter Druck gerät. Das MGH unterstützt seine Ehrenamtlichen aktiv: Professionelle Begleitung, Fortbildungsangebote und ein achtsamer Umgang mit Grenzen sollen Überforderung verhindern.​

Kirche zeigt Gesicht – mitten im Quartier

Eine festliche Veranstaltung im Mehrgenerationenhaus Doppelfisch
„Kirche bekommt durch ehrenamtliches Engagement ein menschliches Gesicht."

„Für mich ist es ein Zeichen gelebter Nächstenliebe, wenn Menschen in einem so diversen Stadtteil wie Billstedt füreinander einstehen. Ehrenamtliches Engagement schafft Vertrauen, überwindet Unterschiede und bildet Gemeinschaft. Kirche bekommt dadurch ein menschliches Gesicht", beschreibt es Propst Holger Beermann, der zum Startschuss der Aktionstage ebenfalls in Billstedt war.​

„Projekte wie das Mehrgenerationenhaus Doppelfisch zeigen: Kirche ist dann relevant, wenn sie Räume schafft, in denen Menschen sich begegnen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Glauben. Die Zukunft kirchlicher Gemeinschaft liegt genau hier: mitten im Quartier, einladend und als Teil des sozialen Netzwerks vor Ort."​

Dass kirchliches und diakonisches Handeln dabei Hand in Hand gehen, beschreibt auch Rainer Picker: „Unser Tun birgt ganz viele Aspekte diakonischen Handelns und wird so auch von Menschen wahrgenommen, die eher wenig mit Kirche zu tun haben. Billstedt ist ein multikultureller und bunter Stadtteil. Als Kirche und als Mehrgenerationenhaus sind wir mittendrin – sozial, politisch, diakonisch, begleitend, aktivierend und immer wieder ganz handfest."​

Die bundesweiten Aktionstage laufen noch bis zum 7. Juni 2026. Überall in Deutschland laden die rund 530 Mehrgenerationenhäuser dazu ein, generationenübergreifende Begegnungen zu erleben. 

Wer das MGH Doppelfisch in Billstedt kennenlernen möchte, findet alle Informationen unter www.doppelfisch.de oder meldet sich direkt unter 040 / 714 03 200 bzw. mehrgenerationenhaus@doppelfisch.de.​

Auch wer selbst überlegt, sich ehrenamtlich zu engagieren: Das MGH Doppelfisch bietet Beratung für Menschen, die sich freiwillig einbringen wollen.​

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