Im Theologie-Studium suchte Werner nach Antworten
Dass der Theologe Werner nach einem Weg voller Gabelungen und Kreuzungen ausgerechnet in der Altonaer Helenenstraße ans Ziel gekommen ist, scheint daher eher Schicksal als Zufall zu sein. In der Helenenstraße, die übrigens nur wenige Kilometer vom Hamburger Kiez und dessen Clubs entfernt liegt, steht eine Kirche, die anders ist, als alle anderen Gotteshäuser in dieser Stadt. Die Kirche der Stille.
Feste Sitzreihen sucht man vergebens, Stühle gibt es nur vereinzelt. Menschen sitzen meist auf Kissen oder Meditationsbänken.
Gottesdienste, wie man sie kennt, gibt es hier nicht. Dafür Meditationen, gemeinschaftliches Innehalten, Gebete und Breathwork.
Gegensätze – sie ziehen sich durch Werners Leben. Aufgewachsen in Süddeutschland mit einer gläubigen Mutter und einem kirchenkritischen Vater. Der junge Ulf – ein Punk und Rebell mit viel Wut im Bauch – landet mit 16 auf einem evangelischen Internat. Die Musik ist seine erste große Liebe. Und vor allem ein Ventil für seine Wut.
Die Gottesmomente, die er damals allerdings noch nicht so bezeichnete, erlebte er schon als Jugendlicher.
Ein inneres Ziehen, ein ganz klarer Gedanke
In der Hoffnung, eine Antwort zu finden, was genau hinter diesen magischen, übersinnlichen Erfahrungen steckt, begann er in Tübingen ein Theologie-Studium. Das Examen bestand er nicht, eine Wiederholung war für Werner (vorerst) ausgeschlossen. Er zog nach Hamburg, jobbte als Barkeeper, auf einer Skatebahn, schloss sich Rantanplan an, ging wieder weg aus Hamburg, arbeitete auf einem Bio-Bauernhof bei Kassel. Er hatte sich gerade einen kleinen Bauwagen gekauft und wollte „ein bisschen zurückgezogen leben“, als er eine Art Eingebung hatte. Ein inneres Ziehen, ein ganz klarer Gedanke, der ihm sagte: nimm noch einmal einen zweiten Anlauf, mach das Examen!
Und so beendete Werner sein Eremiten-Dasein noch bevor es richtig begonnen hatte, verließ Hessen und zog zurück in die Hansestadt. Er bestand das Theologie-Examen und begann sein Vikariat.
Für das allerdings musste er nach Husum. Erneut verließ er also die große, laute, pulsierende Metropole und lebte fortan in einem kleinen, beschaulichen Örtchen an der Nordsee. Im Anschluss aber ging es zurück nach Hamburg. Er heiratete, wurde Vater von Zwillingen und arbeitete in der Gemeinde Meiendorf-Oldenfelde in Volksdorf.
Die Kirche der Stille und die so ganz andere Art Gott nahe zu sein und ihn zu feiern, faszinierte ihn schon während dieser Zeit. „Ich hatte mich dort auch mal auf eine Stelle beworben“ erzählt Werner. „Jedoch habe ich die Bewerbung aus familiären Gründen wieder zurückgezogen – ein Umzug passte zu der Zeit nicht. Meine Kinder waren im Kindergarten, einen Wechsel wollten wir nicht.“