04.03.2026
„Kommt! Bringt eure Last“

Weltgebetstag 2026 im Afrikanischen Zentrum Borgfelde

Eine Frau steht vor einem Gemälde

Frauenstimmen aus Afrika und Hamburg

Zum Weltgebetstag 2026 mit Liturgie aus Nigeria feiert das Afrikanische Zentrum Borgfelde gleich zweimal Gottesdienst. Evelyn erzählt, warum das Motto „Kommt! Bringt eure Last“ so gut zu vielen Frauen in Afrika – und in Hamburg – passt.

Von Christian Schierwagen

Im Afrikanischen Zentrum Borgfelde (AZB) arbeitet eine Berühmtheit – auch wenn sie das erst im Laufe des Gesprächs zugibt. „Ich bin die erste schwarze Frau, die in Deutschland als Busfahrerin arbeitet“, erzählt Evelyn, die nach 35 Jahren hinterm Steuer inzwischen in Rente ist. Damit ist die Arbeit der sechsfachen Mutter und siebenfachen Oma aber noch lange nicht vorbei. „Ich ermutige andere Frauen: Das, was ich gemacht habe, könnt ihr auch!“

Zum Weltgebetstag 2026 rückt das westafrikanische Land Nigeria in den Mittelpunkt. Das Bibelwort „Ruhe für die Müden“ empfinden Evelyn, die selbst aus Ghana stammt, als überaus passend. Im Interview sprechen wir darüber, wie Frauen in Nigeria und Ghana benachteiligt werden, wie das Afrikanische Zentrum Frauen in Hamburg stärkt – und warum der Weltgebetstag für Evelyn ein Tag der Hoffnung ist.

„Viele wissen nicht, was Frauen in Afrika alles durchmachen“

„Natürlich kann ich nicht viel über Nigeria sagen“, stellt sie klar. „Von anderen Plattformen weiß ich aber: Ob Ghana oder Nigeria, wir sind insofern gleich, als dass Frauen in beiden Ländern benachteiligt werden.“ 

Ein Blick auf die Zahlen bestätigt ihren Eindruck: Laut UNDP-Gender Inequality Index (GII) gehört Nigeria zu den Ländern mit einer sehr hohen Geschlechterungerechtigkeit, belegt Rang 164 von 193 Staaten. Mehr als 13 Prozent der befragten Frauen berichten beispielsweise von körperlicher/sexualisierter Gewalt in den letzten 12 Monaten, wobei von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgegangen wird. Auch in Ghana leiden Menschen unter einer systematischen Ungleichbehandlung, Frauen haben unter anderem einen bedeutend schlechteren Zugang zu Bildung.

„Viele Menschen wissen gar nicht, was Frauen in afrikanischen Ländern teilweise durchmachen müssen. Deswegen bin ich sehr dankbar dafür, dass der diesjährige Weltgebetstag auf Afrika bezogen ist. Wir brauchen die Gebete aus anderen Ländern – und auch die Anerkennung für all die Frauen dort.“

Ein Weltgebetstag, der Afrika in den Mittelpunkt stellt

Evelyn weiß selbst, wie kraftvoll der Weltgebetstag ist – denn vor mehr als 30 Jahren stand ihr Land im Mittelpunkt, wie auch sie selbst. „Damals war ich in Süddeutschland und man hatte mich ausgewählt, um in einer Kirche ein Gebet vorzubringen. Dieser Gedanke, dass an genau diesem Tag überall auf der Welt Frauen für mein Land beten, war so intensiv. Ich glaube, das brauchen wir. Sehr dringend.“ Für den diesjährigen Weltgebetstag gibt es auch aus diesem Grund wohl wenige Begegnungsorte, die sich so gut eignen, wie das Afrikanische Zentrum Borgfelde.

Gleich zweimal wird das AZB die Bühne für den Weltgebetstag sein, einmal für den englischsprachigen World Day of Prayer am 28. Februar, einmal am Internationalen Frauentag am 8. März im Rahmen des Internationalen Gospel-Gottesdienstes. Das AZB ist ein interkulturelles Kirchen- und Community-Zentrum und versteht sich als „Ort der Gastfreundschaft von Afrikanern und Deutschen für alle Menschen in Hamburg“. Evelyn ist ein fester Bestandteil vieler Angebote vor Ort – und ein Vorbild für viele der Frauen dort.

„Das muss raus!“ – Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen

„Viele Frauen, die hierherkommen, sind mit der Mentalität aufgewachsen, dass eine Frau ein Gebrauchsgegenstand ist. Und das muss raus!“, stellt sie vehement klar. Als Evelyn nach Deutschland kam, konnte sie nicht fassen, eine Frau hinter dem Steuer eines LKWs sitzen zu sehen. „Ich fragte: Kann ich so etwas auch machen? Und man sagte mir, ich solle erst einmal einen Sprachkurs besuchen. Das habe ich getan. Dann machte ich meine Ausbildung und auf einmal war ich die erste schwarze deutsche Frau, die in Deutschland Bus fährt!“

Für sie ist klar: Was sie geschafft hat, können auch andere Frauen. Also nutzt sie den Begegnungsort AZB auch dafür, andere zu ermutigen und sich unabhängig zu machen. „Als Zentrum sind wir auf verschiedene Weisen für die Integration von afrikanischen Menschen in Hamburg da“, erklärt Sonja Bruhns, Sekretärin im AZB und seit vielen Jahren dort angestellt. „Wir begleiten sie spirituell, aber auch organisatorisch und bürokratisch, geben Deutschunterricht, damit sie einen besseren Start haben.“

Ein solcher Ort ist das Café Mandela, das zweimal im Monat stattfindet und ein „zweites Wohnzimmer“ für die Menschen aus der afrikanischen Community sein möchte. Evelyn beschreibt es als eine „Brücke zwischen Community und Behörden“, denn viele würden mit unterschiedlichsten Problemen kommen. Im Café Mandela haben sie einen Ort, an dem man sie hört.

„Kommt! Bringt eure Last“ – wenn das Motto ins Leben trifft

Gehört und gesehen werden, die eigene Last ein bisschen leichter tragen – auch dabei geht es beim Motto des diesjährigen Weltgebetstags: „Kommt! Bringt eure Last“. Eine Aussage, die Evelyn nur zu passend findet: „Glaub mir, wir haben viele Lasten. Wenn ein Gebet den Titel hat: ‚Come to me, all you who are weary and burdened, and I will give you rest.‘ (übersetzt: ‚Kommt zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.‘), dann passt das sehr gut zu den Frauen – und ich bete zu Gott, dass sie sich das auch zu Herzen nehmen.“ 

Nicht nur die Frauen in Nigeria oder Ghana würden große Lasten tragen, auch die Frauen hier in Deutschland würden viel aushalten müssen, erzählt sie weiter. „Gewalt, Mobbing, Überforderung, Einsamkeit. Wir helfen denen, die hierherkommen, wo wir können, aber wir können nicht alle retten.“

Weltgebetstag in Hamburg: Nigeria, Frauenstimmen und Solidarität

Der Weltgebetstag wird von christlichen Frauen in mehr als 150 Ländern auf der ganzen Welt gefeiert, unabhängig ihrer Konfessionen. Im Jahr 2026 liegt der Schwerpunkt auf dem Land Nigeria, inhaltlich wird es vor allem um Gewalt, politische Unsicherheit und Belastungen, die besonders Frauen tragen. Gleichzeitig liegt der Fokus der Veranstaltungen auch auf Hoffnung, Glauben und Solidarität. 

„Wir möchten den Menschen am Weltgebetstag zeigen, dass sie im Afrikanischen Zentrum willkommen sind – nicht nur für diesen einen Tag, sondern immer“, betont Evelyn.

Uta Gerstner, Pastorin an St. Petri, nennt den Weltgebetstag „den christlichen Flügel der internationalen Frauenbewegung – und für mich als feministische Christin ein Festtag“. Rund um den Globus laden Frauen in mehr als 120 Ländern zu Gottesdiensten ein. „Wie eine Gebets‑Laolawelle wandert das eine Gebet mit der Sonne über die Erde“. Kurz vor dem Internationalen Frauentag verbinden sich Christinnen unterschiedlicher Konfessionen mit der gemeinsamen Vision, dass alle Frauen und Mädchen selbstbestimmt leben können. 

In Hamburg wird in der Hauptkirche St. Petri gefeiert, aber es finden auch viele regionale Gottesdienste zum Weltgebetstag statt.

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