„Man wird nicht als Frau geboren – man wird dazu gemacht.“ Dieser Satz, von der französischen Philosophin Simone de Beauvoir gehört zu den wirkungsmächtigsten Sätzen moderner Geschlechterdebatten. Die zentrale These: Weiblichkeit ist nicht nur Natur, sondern auch und vor allem ein kulturelles Projekt. Frausein also, ist nicht etwas unveränderliches, biologisch Festgelegtes, sondern bestimmt durch Erwartungen, Zuschreibungen, Erziehung. Und über solche Erwartungen und Zuschreibungen wird gestritten.
Man sieht es im Kalender: Weltfrauentag, Equal Pay Day oder der Weltgebetstag.
Unterschiedliche Anlässe, die ein gemeinsamer Impuls eint: Frauen sichtbar zu machen und Gleichstellung zwischen Mann und Frau einzufordern. Dabei könnte man meinen, dass diese Gleichheit längst festgeschrieben ist. Denn folgt man einem der wirkmächtigsten kulturellen Dokumente – der Bibel – so steht dort, gleich zu Beginn: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (Gen 1,27). Also: Gleichursprünglich, gleichwertig, ebenbürtig.
Doch die Realität zeigt sich häufig anders. Also nochmals zurück zu den Anfängen.
Der Anfang, den niemand erinnert
Wie es mit Anfängen ist: Sie entziehen sich oft der genauen Erinnerung. Man versuche nur einmal, sich an die ersten Jahre des eigenen Lebens zu erinnern. Wie war der erste Atemzug? Wer war ich, bevor ich zu dem geworden bin, der ich heute bin? Bevor Erwartungen, Erziehung und Zuschreibungen begannen, eine Gestalt aus mir zu formen?
Weil wir unsere eigenen Anfänge nicht erinnern können, erzählen Kulturen Geschichten davon, um zu erzählen, woher wir kommen und wer wir sind. Die biblischen Schöpfungserzählungen gehören zu den bekanntesten dieser Ursprungsnarrative.