01.04.2026
Krieg im Iran

Iranerin: "Wir werden immer Hoffnung haben"

Dunkle Wolken reißen auf und blauer Himmel ist zu sehen.

Seit Wochen blickt die Welt auf den Iran. Die Hamburgerin Fariba Hatami-Holzbauer verfolgt die Ereignisse besonders aufmerksam - ihre Familie lebt noch in Teheran. Trotz Angst glaubt sie an einen politischen Wandel.

Hinweis: Der folgende Beitrag erschien erstmals am 11. März 2026.

Von Johanna Tyrell (epd)

Fariba Hatami-Holzbauer wird wohl nie vergessen, wo sie war, als sie vom Tod des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei hörte. Auf einer Demonstration stand sie, irgendwo zwischen Fahnen und Sprechchören. Dann kam die Nachricht. „Wir haben gejubelt und getanzt“, erzählt sie. Dann hält sie kurz inne. „Es fühlt sich so unchristlich an, aber Gott weiß, was mein Herz sagt.“

Fariba Hatami-Holzbauer ist Iranerin, floh mit 15 Jahren alleine nach Deutschland. Bekam politisches Asyl. Heute lebt sie in Hamburg-Steilshoop. Ihr Mann, Andreas Holzbauer, ist Pastor der Martin-Luther-King-Kirche. Sie selbst berät Migrantinnen psychosozial und psychosomatisch. Die Nachricht vom Tod Chameneis fühlte sich für sie wie ein möglicher Aufbruch an. Sie glaubt, dass der Iran an einem Wendepunkt steht.

Familie in Teheran

Während Hatami-Holzbauer in Deutschland über einen politischen Neuanfang ihres Heimatlandes spricht, lebt ihre Familie in Teheran. Mehrere Geschwister wohnen dort. Wenn sie Nachrichten aus dem Iran liest und Bilder aus Teheran sieht, erkennt sie manchmal Straßenzüge wieder. Dann wächst die Sorge. Immer wieder habe sie ihrer Familie geschrieben: „Bitte verlasst Teheran.“

Der letzte Kontakt war am 28. Februar. Es war der Geburtstag ihres Mannes. Ihre Schwester habe versucht anzurufen, doch die Holzbauers konnten nicht rangehen. Kurz darauf begannen die Angriffe. Über eine App zur Umgehung der Internetsperren kam noch eine kurze Nachricht durch. Ihre Schwester habe gesagt, sie höre Explosionen. Seitdem geht nichts mehr.

Internet abgeschaltet

Auch im übrigen Land dringen nur wenige Informationen nach außen. Immer wieder wird das Internet abgeschaltet. Während der Gewalt im Januar verschwanden Tausende, viele wurden getötet. Nun also wieder. Wenn das Netz im Iran verstummt, wächst die Sorge vieler Iranerinnen und Iraner im In- und Ausland, dass das Regime gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. „Das Regime führt Krieg gegen sein eigenes Volk.“

Hatami-Holzbauer verfolgt die Entwicklungen im Iran sehr genau. „Ich denke sehr politisch“, sagt sie. „Als gebürtige Kurdin bin ich gegen den Schah und dessen Dynastie.“ Bis 1979 herrschte Schah Mohammad Reza Pahlavi. Nach der Revolution übernahmen islamische Geistliche unter Ayatollah Chomeini die Macht - doch auch unter der islamischen Republik blieb die Lage für viele Kurden schwierig.

Lange habe sie deshalb auch Reza Pahlavi kritisch gesehen, den Sohn des letzten Schahs. Er lebt im Exil. Doch inzwischen sehe sie manches anders. „Wer bin ich, dass ich über einen Menschen nur aufgrund seiner Herkunft urteile?“ Pahlavi habe angekündigt, nur eine Übergangsrolle übernehmen zu wollen - bis in einem freien Iran ein Referendum und Wahlen stattfinden können. „Ich würde ihn als Kanzler wählen, aber nicht als Dynastie.“

Glaube als Kraftquelle

Aufgewachsen ist Hatami-Holzbauer in einer Familie, in der viel Wert auf Bildung gelegt wurde. Ihr Vater sei fromm gewesen, daher habe sie viel im Koran gelesen, erzählt sie. „Als älteste Tochter wollte ich, dass mein Vater stolz auf mich ist.“ Doch da war auch ihre Mutter. Eines Tages habe sie ihre Tochter zur Seite genommen und ihr etwas gesagt, was sie bis heute nicht vergessen hat. Die Worte in diesem Buch, habe ihre Mutter gesagt, könne kein Gott geschrieben haben. Das seien Worte von Männern. „Sie hat mir gesagt, dass ich zweifeln darf“, erzählt Hatami-Holzbauer. „Ich hatte so Glück mit meiner Mutter.“

Heute ist ihr christlicher Glaube für sie eine wichtige Kraftquelle. Gerade in diesen Tagen bete sie viel. Für ihre Familie und die Menschen im Iran. „Ich bete für die Verschwundenen und Gefangenen.“

Was also kann die Welt tun? „Wir müssen hier eine Stimme für die Menschen im Iran sein“, sagt Hatami-Holzbauer. Damit die Angehörigen von Vermissten und Getöteten spüren, dass ihr Leid gesehen wird.

Auch politisch fordert sie Konsequenzen. „Warum schließen wir nicht endlich die Botschaften der Islamischen Republik Iran?“, fragt sie. „Was muss denn noch geschehen, damit sich die Welt auf die Seite der Menschen im Iran stellt?“

Und wenn das Regime eines Tages fällt? Dann dürfe nicht Gleiches mit Gleichem vergolten werden, sagt Hatami-Holzbauer. „Wir dürfen unsere Herzen nicht vom Bösen regieren lassen.“ Die Verantwortlichen sollten vor Gericht gestellt werden. Aber über Leben und Tod zu entscheiden, das stehe keinem Menschen zu, sondern nur Gott.

Trotz aller Angst um ihre Familie bleibt für sie eines gewiss: „Wir hatten, haben und werden immer Hoffnung haben.“

Dieser Artikel erschien am Mittwoch, 11. März 2026, bei epd.

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