Verbindung sucht Assif auch zwischen Christentum und anderen Religionen. Nicht nur, weil Wilhelmsburg migrantisch geprägt ist, sondern weil sie es in Zeiten, in denen islamfeindliche Stimmen lauter geworden sind, als wichtig erachtet. So lud sie jüngst einen Imam in die Reiherstieg-Gemeinde ein, veranstaltete mit ihm eine Gesprächsrunde und bot Raum für Fragen. „Die Neugierde und das Interesse ist gegenseitig da“, so Assif. „Man muss den Menschen halt auch die Möglichkeit geben, sich auszutauschen, kennenzulernen und etwaige Vorurteile abzubauen.“
Als wäre der Beruf der Pastorin, der schließlich auch noch administrative Aufgaben beinhaltet, nicht ausfüllend genug, promoviert Rebecca Assif noch. „Ich arbeite an einem Thema, das eng mit meiner Biografie verwoben ist und entwickle einen antidiskriminierungsethischen Ansatz im Blick auf Menschen mit Careleaver-Hintergrund. Dabei untersuche ich, wie gesellschaftliche Normen rund um Familie, Herkunft und Zugehörigkeit dazu führen können, dass Menschen aus der Jugendhilfe strukturelle Benachteiligung und soziale Unsichtbarkeit erfahren. Es gibt dazu bisher wenige Stimmen aus der wissenschaftlichen Perspektive. Das möchte ich ändern. Außerdem verstehe ich meine Forschung als eine Form von Verantwortung: Wenn man eine Stimme hat und die Möglichkeit, gehört zu werden, dann sollte man sie nutzen.“ Sie hält kurz inne. Dann fügt Assif an: „Und irgendwie ist da in mir auch ein bisschen Trotz. Trotz, es allen zu zeigen, die prophezeit haben, das aus mir nichts wird.“
Als hätte sie das nicht schon längst getan…