06.07.2026
St. Katharinen

Pröpstin Ulrike Murmann verabschiedet sich nach 22 Jahren

Pröpstin Ulrike Murmann bei ihrer Verabschiedung in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg

„Geh beflügelt und bleib behütet, liebe Ulrike."

Sie war die erste Frau in diesem Amt. Nun geht sie in den Ruhestand: Am Samstag wurde Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann mit einem Gottesdienst in St. Katharinen verabschiedet. Mehr als 500 Gäste kamen, um Danke zu sagen.

Von Christian Schierwagen

„Ich habe so viele verschiedene spannende Menschen kennengelernt: Künstler, Musiker, Städtebauer, Engagierte und Sinnsuchende." Das sagt Ulrike Murmann im Interview mit dem Hamburger Abendblatt, wenn sie auf 22 Jahre als Hauptpastorin an der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen zurückblickt. Ein Satz, der zeigt: Für sie ist Kirche mehr als ein Gebäude. Sie ist ein Ort für Menschen und für Begegnungen.

Am Samstag, 4. Juli 2026, um 15 Uhr, wurde Dr. Ulrike Murmann offiziell in den Ruhestand verabschiedet – in einem Gottesdienst in genau der Kirche, in der sie seit 2004 gepredigt, getauft, getraut und begraben hat. Über 500 Gäste füllten das Kirchenschiff.

Die erste Frau an einer Hamburger Hauptkirche

Ein Chor singt auf der Verabschiedung von Ulrike Murmann in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg
Der Chor singt zur Verabschiedung von Pröpstin und Hauptpastorin Ulrike Murmann.

2004 war Ulrike Murmann die erste Frau, die an einer der Hamburger Hauptkirchen das Amt der Hauptpastorin übernahm. Damals, erinnert sie sich, „war das eine kleine Aufregung" – auch in den Medien. Für sie selbst war es vor allem eine Chance, verrät sie im Interview mit dem NDR. „Ich konnte alles anders und neu machen", sagt Murmann. Und sie hat diese Freiheit genutzt, manchmal auch mit einem Augenzwinkern: „Ich konnte immer damit kokettieren, dass St. Katharinen die einzige Hauptkirche mit einem weiblichen Namen ist. Dass da jetzt auch eine Frau Hauptpastorin ist – das passt eigentlich ganz gut." 

Gleichzeitig übernahm sie das Amt der Pröpstin im Kirchenkreis Hamburg-Ost – als erste Frau auch in dieser Funktion. Diese Doppelrolle, sagt sie, mache „den besonderen Charme" ihrer Arbeit aus: „Leiten und zugleich die Bodenhaftung behalten."

13 Millionen Euro – und Murmann neu im Amt

„Klug, mutig und schön“ lautet das Motto der St. Katharinen. Und Mut brauchte Murmann nicht nur bei ihrer Berufung, sondern auch kurz danach: Als sie ihr neues Amt antrat, lag ein Gutachten über ihre Kirche auf dem Tisch. Und darin war „so ziemlich alles kaputt, was kaputt sein konnte“, heißt es in einem Artikel vom Hamburger Abendblatt. Der Sandstein brüchig, die Strebepfeiler nicht mehr mit dem Mauerwerk verbunden, Kupferplatten am Dach locker, Eisenanker verrostet. Kosten: rund 13 Millionen Euro. Noch einmal so viel war für die Sanierung des Innenraums fällig.

„Es mag Zufall gewesen sein, dass mir das Gutachten erst nach meinem Amtsantritt gezeigt wurde. Es war aber gut, dass ich es vorher nicht kannte", erinnert sich Murmann an diese Zeit. Also ging sie auf Spendentour und sprach Hamburger Unternehmerinnen und Unternehmer direkt an. Mit Erfolg: „Wenn ich über die Sanierungsbedürftigkeit von St. Katharinen und über ihre künftige Bedeutung für Hamburg durch das Wachsen der HafenCity gesprochen habe, ist bei vielen meiner Gesprächspartner ein echtes Interesse für die Kirche erwacht."

Mit der HafenCity gewachsen

Mit der HafenCity gewachsen
Die Hauptkirche St. Katharinen in der Hamburger Innenstadt.

Die Sanierung von 2007 bis 2012 stoppte das Gemeindeleben nicht, im Gegenteil. St. Katharinen wuchs von ehemals 830 auf heute 1.530 Mitglieder. Die Gemeinde engagierte sich früh in der entstehenden HafenCity, wo zwar Kitas und Schulen gebaut wurden, aber wenige Angebote für Familien entstanden. „Wir waren daher der Ort für die neuen Bewohner der HafenCity, haben uns für sie engagiert und sind mit ihr gewachsen", sagt Murmann. 

Heute gibt es vier Chöre, rund 200 Ehrenamtliche gestalten Gottesdienste und Veranstaltungen, von Filmvorführungen über Kunstausstellungen bis zu großen Stadtfesten. Die Ausstellung „Gaia" mit einer nachgebildeten, sich drehenden Erdkugel im Altarraum wurde von 76.000 Menschen besucht, aktuell erleuchtet „Helios“ das Kirchenschiff.

Ein Gottesdienst voller Anerkennung

Verabschiedung von Pröpstin Ulrike Murmann in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg
Das Kirchenschiff war am Samstag mit mehr als 500 Menschen gefüllt, die sich von Ulrike Murmann verabschieden wollten.

Der Verabschiedungsgottesdienst am 4. Juli folgte dem Leitwort „Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit" (2. Kor 3,17). Bischöfin Kirsten Fehrs, Hauptpastor Alexander Röder, Propst Dr. Tobias Woydack sowie weitere pastorale Personen gestalteten den Gottesdienst gemeinsam mit der Kantorei St. Katharinen unter Kirchenmusikdirektor Andreas Fischer. Im Anschluss sprachen Kultursenator Dr. Carsten Brosda, Prof. Dr. Kristin Merle, Hauptpastor und Propst Dr. Martin Vetter sowie die stellvertretende KGR-Vorsitzende Sophie Ahrens von Bismarck Grußworte.

Bischöfin Kirsten Fehrs fand bei der Verabschiedung eindringliche Worte: „Nach sage und schreibe 22 Jahren intensiver und beständiger Arbeit als Hauptpastorin und Pröpstin fällt es nicht leicht, sich St. Katharinen ohne Ulrike Murmann vorzustellen", sagte sie – „ohne Osterpredigt mit Witzeinlage, ohne ihre ganz besondere Gabe, Menschen, Themen und Gotteserfahrung miteinander zu verbinden, ohne die ihr innewohnende kraftvolle Ruhe, die jede und jeden mitnimmt." Murmann sei gewesen, was nur wenige von sich behaupten können: „Immer ansprechbar, zugewandt, kollegial, klug, krisenstabil." 

Ihren Abschluss fand die Verabschiedung in einem Satz: „Geh beflügelt und bleib behütet, liebe Ulrike."

Kirche als Ort der Begegnung

Kultursenator Dr. Carsten Brosda, Dr. Ulrike Murmann, Bischöfin Kirsten Fehrs und Dr. Martin Vetter
Kultursenator Dr. Carsten Brosda, Dr. Ulrike Murmann, Bischöfin Kirsten Fehrs und Dr. Martin Vetter (v.l.n.r.).

Was bleibt von 22 Jahren? Für Ulrike Murmann ist die Antwort eindeutig: das Gespräch mit Menschen. Kirche hat in ihren Augen eine klare Aufgabe für die Zukunft: „Nah bei den Menschen sein. Nah bei den Fragen sein, die die Menschen heute beschäftigen." 

In einer Gesellschaft, die an vielen Stellen auseinanderbricht, brauche es öffentliche Orte – Orte, an denen Gruppen, Milieus und Generationen zusammenkommen können. „Und Kirchen sind solche Orte, sind Begegnungsorte, sind öffentliche Orte. Da kann jeder hineinkommen", sagt Murmann im NDR-Interview. „Wir müssen Räume öffnen, damit Menschen sich dort einfinden und zusammen etwas bewegen." 

Ab August übernimmt Anne Arnholz das Amt. Ebenfalls eine Frau, von der Synode gewählt. 

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