17.08.2026
Nacht der Kirchen

„Dass ich wunderbar gemacht bin" – Bischöfin Fehrs über die Nacht der Kirchen

Bischöfin Kirsten Fehrs

Ein neuer Blick auf sich selbst

Am 12. September öffnen wieder über 100 Hamburger Kirchen ihre Türen. Wir haben mit Bischöfin Kirsten Fehrs darüber gesprochen, was sie am diesjährigen Motto "wundern gibt es immer wieder" berührt – und warum ihr die Segensbänder der Nacht der Kirchen bis heute in Erinnerung bleiben.

Von Christian Schierwagen

Am Samstag, 12. September 2026, findet zum 23. Mal die Nacht der Kirchen in Hamburg statt. Über 100 Kirchen öffnen ihre Türen für Musik, Kunst und Begegnung – kostenfrei und für alle. Wir sprachen mit Bischöfin Kirsten Fehrs, die die Veranstaltung seit Jahren begleitet, über das Motto „wundern gibt es immer wieder", ihre Erinnerungen an vergangene Nächte und wen man an diesem Abend erreichen möchte.

Was Fehrs selbst wundert

Auf die Frage, was die Bischöfin dieser Tage besonders wundert, hält sie einen Moment inne, bevor sie antwortet. „Was mich wundert, ist, dass für viele Menschen die kleinen Dinge des Lebens so wichtig sind – und gleichzeitig, dass das in einer Zeit, in der wir so viele Krisen erleben, nicht einzahlt auf unsere Zuversicht.“ Das Motto der diesjährigen Nacht der Kirchen sei für sie daher ein Anstoß, den Blick bewusst auf die kleinen gelingenden Dinge des Lebens zu richten.

Ein biblischer Bezugspunkt des Mottos ist Psalm 139, einem Text, der Fehrs sehr am Herzen liegt: „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Für sie ist das auch eine Einladung, sich selbst mit Bewunderung zu betrachten. Ein wohlwollender Blick, der vielen schwerfalle, so Fehrs. „Wenigstens diesen Abend einmal zu versuchen, sich selbst mit einem gütigen Blick zu betrachten, finde ich eine ganz wunderbare Idee.“ 

Verzweiflung – ob an sich selbst oder aufgrund der andauernden gesellschaftlichen Krisen hier und weltweit – erzeuge oft einen Tunnelblick. Diesem wirke ein Abend wie die Nacht der Kirchen entgegen, so Fehrs. Nicht nur durch die Vielzahl an Orten, Begegnungen, Musik und Gesprächen, sondern auch durch das gewählte Motto, das die Chance eröffne, Wahrnehmung und Herz zu weiten. „Ich bin ganz sicher: Wer zulässt, sich zu wundern und sich überraschen zu lassen, kann die Verzweiflung oder auch den Zweifel an sich selbst verringern“, so die Bischöfin.

Die Segensbänder als wiederkehrendes Ritual

Nach all den Jahren Nacht der Kirchen bleibt bei Fehrs ein immer wiederkehrender Moment besonders präsent: die Verteilung der Segensbänder. Jedes Jahr kommen die Besucher*innen zu ihr, um einen ganz persönlichen Segen zu erhalten. Manche kämen inzwischen mit ihren gesammelten Bändern aus den vergangenen zehn Jahren. „Das heißt, es ist wie so eine Art Tankstelle, wo die Menschen sich nochmals ihr Segenswort für das kommende Jahr abholen.“

Im Moment des Segens entstehe mehr als eine Begegnung zwischen zwei Menschen, beschreibt es Fehrs. „Die Leute merken genau, dass hier noch eine andere Kraft im Spiel ist. Ein Gefühl von: Ich werde mit meinem Sosein, wie es jetzt ist, angenommen.“ 

Alle sind willkommen

Die Nacht der Kirchen richtet sich – wie die meisten Angebote der Ev.-Luth. Kirche in Hamburg – an alle Menschen. Gerade für Kirchenferne sei diese Nacht eine wunderbare Gelegenheit, um Kirchräume ganz neu und anders wahrzunehmen. Und so lädt die Bischöfin ein: „So divers, so bunt, so lebensfroh – mit allen Lebensformen, die ihr lebt – ihr alle seid uns herzlich willkommen. Bei der Nacht der Kirchen und darüber hinaus.“ 

Das ganze Programm finden Sie auf ndkh.de oder in der kostenlosen App „kirchennacht“.

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