Auf die Frage, was die Bischöfin dieser Tage besonders wundert, hält sie einen Moment inne, bevor sie antwortet. „Was mich wundert, ist, dass für viele Menschen die kleinen Dinge des Lebens so wichtig sind – und gleichzeitig, dass das in einer Zeit, in der wir so viele Krisen erleben, nicht einzahlt auf unsere Zuversicht.“ Das Motto der diesjährigen Nacht der Kirchen sei für sie daher ein Anstoß, den Blick bewusst auf die kleinen gelingenden Dinge des Lebens zu richten.
Ein biblischer Bezugspunkt des Mottos ist Psalm 139, einem Text, der Fehrs sehr am Herzen liegt: „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Für sie ist das auch eine Einladung, sich selbst mit Bewunderung zu betrachten. Ein wohlwollender Blick, der vielen schwerfalle, so Fehrs. „Wenigstens diesen Abend einmal zu versuchen, sich selbst mit einem gütigen Blick zu betrachten, finde ich eine ganz wunderbare Idee.“
Verzweiflung – ob an sich selbst oder aufgrund der andauernden gesellschaftlichen Krisen hier und weltweit – erzeuge oft einen Tunnelblick. Diesem wirke ein Abend wie die Nacht der Kirchen entgegen, so Fehrs. Nicht nur durch die Vielzahl an Orten, Begegnungen, Musik und Gesprächen, sondern auch durch das gewählte Motto, das die Chance eröffne, Wahrnehmung und Herz zu weiten. „Ich bin ganz sicher: Wer zulässt, sich zu wundern und sich überraschen zu lassen, kann die Verzweiflung oder auch den Zweifel an sich selbst verringern“, so die Bischöfin.