21.05.2026
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Im Rausch der Farben

Im Rausch der Farben

Kirchen gelten oft als Räume fester Formen und Rituale. Bei „Paint & Pray“ geht es dagegen ums Verändern. Bilder werden zerschnitten, übermalt, neu zusammengesetzt. Motive treffen auf Acryl, Stadtansichten auf expressive Farbflächen. Die Friedenskirche in Altona wird am 23.05.26 für einen Nachmittag weniger zum stillen Andachtsraum als zu einer offenen Werkstatt.

Paint & Pray

Kirchenräume sind auf Dauer angelegt. Auf Rituale, Wiederholung, Kontinuität. In der Friedenskirche in Altona liegen an diesem Nachmittag dagegen Papier, Scheren und Acrylfarben auf den Tischen. Fotografien werden zerschnitten, übermalt, neu zusammengesetzt. Stadtansichten treffen auf Farbschichten. Eingreifen, Verändern, Weiterdenken. Das Ziel: selbst kreativ werden, Collagen gestalten, den eigenen Ausdruck finden.

Laut, farbintensiv, expressiv

Hinter „Paint & Pray“ stehen der Künstler Torsten Meyer und Jan Pentak, der derzeit seine Ausbildung zum Pastor macht. Pentak, gleichzeitig studierter Musiker, interessiert die Vorstellung, dass Menschen in einer Kirche nicht nur betrachten, sondern selbst gestalten. Und gleichzeitig: Kunst wirkt in der Kirche anders. Die Arbeiten von Meyer, die parallel im Hauptschiff hängen, sind laut, farbintensiv, expressiv. Farben fluten die Leinwand, bewegen sich zwischen Ausbruch und Kontrolle. „Es geht darum, Emotionen durch Farbe sichtbar zu machen“, sagt Meyer. 

Von der eigenen Kreativität

Vielleicht funktioniert das Projekt gerade deshalb nicht wie eine klassische Ausstellung. Der Kirchenraum verändert die Kunst – und die Kunst verändert den Raum. „Kirchenräume besitzen eine andere Atmosphäre als die neutralen White Cubes klassischer Galerien“, sagt Meyer. Gerade dieses Bunte und Emotionale verändert auch den Kirchenraum selbst, sagt Pentak. Ein Raum, der sonst eher mit Stille und Zurückhaltung verbunden werde, könne dadurch anders wahrgenommen werden. Gleichzeitig geht es bei „Paint & Pray“ nicht nur um das Betrachten von Kunst. Besucherinnen und Besucher sollen selbst kreativ werden – niedrigschwellig, ohne Anspruch auf Perfektion. „Wir wollen einen niedrigschwelligen Zugang. Jeder kann machen, was er will.“

Im Rausch der Farben

Und das „Pray“? Gemeint ist weniger das klassische Gebet als ein Zustand von Konzentration und Selbstvergessenheit. Es gehe darum, aus dem Alltag herauszukommen, gemeinsam und trotzdem für sich selbst etwas zu gestalten – und davon etwas mitzunehmen, sagt Pentak. In der künstlerischen Betätigung entstehe dabei ein besonderer Zustand, erzählt Meyer aus eigener Erfahrung: „Wenn ich im Prozess bin, dann bin ich in einer anderen Welt.“ Spirituell bedeute das für ihn nicht unbedingt Religion im engen Sinn, sondern eher: raus aus dem Alltäglichen, Kraft bekommen, etwas Neues schaffen. Im Rausch der Farben. „Wenn du mit den Farben spielst, bist du in einem meditativen Prozess und kannst durch die Farben sprechen.“

„Ich kann nicht Bach spielen ohne Emotionen, das kann auch KI. Dann ist Musik tot.

Für Pentak geht es dabei immer auch um Ausdruck – darum, innere Zustände, Gedanken oder Emotionen sichtbar und erfahrbar zu machen. Kunst sei deshalb mehr als Technik oder bloßes Handwerk. Als Musiker wisse er: „Ich kann nicht Bach spielen ohne Emotionen, das kann auch KI. Dann ist Musik tot. Du brauchst auch ein Herz dafür.“ Für ihn zeigt sich darin auch, warum viele Menschen nach solchen Erfahrungen suchen. Nach Räumen, in denen man konzentrierter wird, sich ausdrücken kann und für einen Moment aus dem Alltag heraustritt. „Gerade über Kunst lassen sich Erfahrungen anders zugänglich machen.”

Dritte Orte

Hinter „Paint & Pray“ steht deshalb auch die Idee von Kirche als „drittem Ort“ – nicht nur als Gottesdienstraum, sondern als offener Raum für Begegnung, Kreativität und Erfahrung mitten in der Stadt. Mitgetragen wird das Projekt von „Dorfkirche mon amour“, einer Kulturinitiative der Nordkirche, die Kirchenräume als Orte für Kunst, Beteiligung und gesellschaftliches Miteinander neu beleben möchte.

Die Tradition solcher Räume soll dadurch nicht ersetzt, sondern erweitert werden. Kunst, Musik und Glaube sind für Pentak unterschiedliche Ausdrucksformen für etwas, das Menschen bewegt. „An Gott zu glauben, ist ja auch etwas Kreatives.“

Jan Pentak und Torsten Meyer (v.l.n.r.)

Paint & Pray – Farbrausch in der Friedenskirche
Samstag, 23. Mai 2026, 14 Uhr
Ev.-Luth. Friedenskirche Altona, Otzenstraße 19, Hamburg

Die Teilnahme ist kostenfrei, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Alle Interessierten sind eingeladen, vorbeizukommen, mitzugestalten oder einfach die Ausstellung und Atmosphäre des Kirchenraums auf sich wirken zu lassen.

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