Paint & Pray
Kirchenräume sind auf Dauer angelegt. Auf Rituale, Wiederholung, Kontinuität. In der Friedenskirche in Altona liegen an diesem Nachmittag dagegen Papier, Scheren und Acrylfarben auf den Tischen. Fotografien werden zerschnitten, übermalt, neu zusammengesetzt. Stadtansichten treffen auf Farbschichten. Eingreifen, Verändern, Weiterdenken. Das Ziel: selbst kreativ werden, Collagen gestalten, den eigenen Ausdruck finden.
Laut, farbintensiv, expressiv
Hinter „Paint & Pray“ stehen der Künstler Torsten Meyer und Jan Pentak, der derzeit seine Ausbildung zum Pastor macht. Pentak, gleichzeitig studierter Musiker, interessiert die Vorstellung, dass Menschen in einer Kirche nicht nur betrachten, sondern selbst gestalten. Und gleichzeitig: Kunst wirkt in der Kirche anders. Die Arbeiten von Meyer, die parallel im Hauptschiff hängen, sind laut, farbintensiv, expressiv. Farben fluten die Leinwand, bewegen sich zwischen Ausbruch und Kontrolle. „Es geht darum, Emotionen durch Farbe sichtbar zu machen“, sagt Meyer.
Von der eigenen Kreativität
Vielleicht funktioniert das Projekt gerade deshalb nicht wie eine klassische Ausstellung. Der Kirchenraum verändert die Kunst – und die Kunst verändert den Raum. „Kirchenräume besitzen eine andere Atmosphäre als die neutralen White Cubes klassischer Galerien“, sagt Meyer. Gerade dieses Bunte und Emotionale verändert auch den Kirchenraum selbst, sagt Pentak. Ein Raum, der sonst eher mit Stille und Zurückhaltung verbunden werde, könne dadurch anders wahrgenommen werden. Gleichzeitig geht es bei „Paint & Pray“ nicht nur um das Betrachten von Kunst. Besucherinnen und Besucher sollen selbst kreativ werden – niedrigschwellig, ohne Anspruch auf Perfektion. „Wir wollen einen niedrigschwelligen Zugang. Jeder kann machen, was er will.“