07.09.2026
Nacht der Kirchen

„Metal und Kirche sind für mich fast deckungsgleich“

Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos

Zwei Welten begegnen sich

Am 12. September verwandelt sich die Heilandskirche in Uhlenhorst in die Metalkirche bei der Nacht der Kirchen. Unter anderem dabei: Metal-Musiker Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos. Wir sprachen mit ihm über seinen Weg zum Metal, seinen Glauben und warum beides für ihn kein Widerspruch ist.

Von Christian Schierwagen

Am Samstag, 12. September, öffnet die Heilandskirche Uhlenhorst ihre Pforten im Rahmen der Nacht der Kirchen und wird zur Metalkirche: Auf der Bühne stehen in diesem Jahr Tri State Corner, Fearless V und Last Turion. Neben lauter Musik beschäftigt sich das Programm an diesem Abend bewusst mit großen Fragen nach Angst, Tod und Hoffnung.

Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos, Sänger bei Tri State Corner sowie Schlagzeuger bei Last Turion, Rage und LaFee, ist einer der international bekannten Musiker des Abends. Im Interview verrät er, wie er zum Metal kam und was Glauben für ihn bedeutet – und was es für ihn bedeutet, in einer Kirche zu spielen.

Vom Familienzimmer auf die große Bühne

Maniatopoulos wuchs in einer Musikerfamilie auf. Der Vater sang und spielte gelegentlich Schlagzeug und Gitarre, der Bruder griff schon als Kind zu Gitarre und Bouzouki, die Mutter spielte Klavier, der Großvater war als Kantor in der orthodoxen Kirche mit dem Psalmgesang vertraut. „Bei uns zu Hause waren alle möglichen Instrumente verfügbar und mich hat es immer wieder zum Schlagzeug gezogen", erinnert er sich.

Dann, mit 14 Jahren, der erste große Einschnitt in einem noch jungen Leben: Er entdeckte Metal. „Das war wie ein Schock – alles war neu, nie gehört und hat mich sofort in den Bann gezogen.“ Bis heute bewegt er sich musikalisch zwischen zwei sehr unterschiedlichen Rollen: als Sänger und Schlagzeugspieler. Am Schlagzeug gehe es darum, die Band zusammenzuhalten, sie zu führen, wie er erklärt. Als Sänger stehe er selbst im Fokus: „Man versucht, mit dem Publikum ein Band aufzubauen – Vertrauen zu schaffen, Sympathien zu gewinnen und Zugang zu ihren Herzen zu finden.“

Metal und Glaube: zwei Wege zum selben Ziel

Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos und seine Band Tri State Corner
Für den Musiker (hier zu sehen mit der Band Tri State Corner) sind Metal und Glaube keine Gegensätze.

Für viele Menschen gelten Metal und Kirche womöglich als Gegensatz. Das kann der griechisch-orthodox aufgewachsene Musiker aber nicht nachvollziehen. „Metal ist ein Lebensgefühl.“ Das beginne mit der Musikrichtung, die ein gutes Gefühl gebe und führe zu anderen Emotionen wie Vorfreude, Trost, Hoffnung oder Liebe. „Menschen, die Zugang zum Glauben haben, werden sich in dieser Beschreibung wiederfinden. Für mich sind Metal und Kirche auf dieser Ebene fast deckungsgleich.“

Den Unterschied sieht der Sänger an anderer Stelle: Für ihn sei Musik ein Werkzeug, um zu diesen Gefühlen Zugang zu finden. Kirche dagegen stehe für eine reale Verbindung zu einer größeren Dimension: dem Verhältnis zu Gott, häufig über das Gebet. „Metal lässt uns Emotionen intensiv erleben, unter unseresgleichen. Der Glaube erlaubt das auch, ist aber deutlich größer.“

Demut auf neuer Bühne

Was die Nacht der Kirchen – vor allem das Programm der Metalkirche – inhaltlich ausmacht, sei für Maniatopoulos einer der größten Antriebe für seinen Auftritt: „Die Möglichkeit, die Kernthemen mit Inhalt zu füllen, einen Moment der Freude zu kreieren, aber auch Themen wie Angst vor dem Tod und Trauer zu begegnen – und mit nonverbalen Augenblicken Kraft und unbedingte Zuversicht zu vermitteln."

Natürlich gibt es große Unterschiede zwischen einer Konzerthalle und einem Kirchenraum – sowohl akustisch als auch atmosphärisch. Bei ihm als Musiker löse es vor allem eine Sache Demut und Respekt aus. Seine Botschaft an das Publikum, das an diesem Abend vielleicht zum ersten Mal Metal in einer Kirche erlebt: „Verbindet euch, lest zwischen den Zeilen, lasst die beiden Welten auf euch wirken und öffnet euch vollständig, ohne Einschränkung."

Wundern als tägliche Übung

Das diesjährige Motto der Nacht der Kirchen, „wundern gibt es immer wieder“, passt für Maniatopoulos: Wundern sei für ihn nichts Negatives, sondern etwas, das er täglich erlebt. „Ich kann zum Beispiel nicht aufhören mich zu wundern, dass meine wundervolle Frau mich jeden Tag mit Liebe beschenkt." Die Musik habe ihm dabei geholfen, eigene Gefühle zu begreifen und die Sensibilität zu entwickeln, die es brauchte, um zum Glauben zu finden. „Ich würde sogar sagen, dass der Glaube mich gefunden hat und die Musik eine Art Ausbildung war."

Für den Abend in der Heilandskirche wünscht er sich, dass die Unterschiede zwischen den Menschen im Publikum für ein paar Stunden keine Rolle mehr spielen. „Egal ob jung, alt, welche Herkunft, welcher Status – am Ende begeben wir uns auf die neue Reise, ohne all das, also alle gleich. Die Musik, der Metal und die Kirche geben uns das Forum, diese Momente so zu erleben – das ist, bevor es losgeht, bereits ein Wunder."

Vassilios ‚Lucky‘ Maniatopoulos tritt am 12. September sowohl als Sänger von Tri State Corner als auch als Schlagzeuger von Last Turion in der Metalkirche der Heilandskirche Uhlenhorst auf, gemeinsam mit Fearless V und Last Turion. Das ganze Programm der Nacht der Kirchen finden Sie auf ndkh.de oder in der App „kirchennacht".

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