Welche Haltung vertritt die Evangelische Kirche Deutschland (EKD)? Im Papier zum Thema aus 2024 beschreibt die EKD den Konflikt als unauflösbar. „Gleichzeitig hebt die Evangelische Kirche die besondere Rolle der Schwangeren in der Weitergabe von Leben hervor“, sagt Trommler-Müllauer und zitiert aus dem Papier: „Gottes Ruf ins Leben kann nur mit Hilfe einer Frau Realität werden. Diese Mitwirkung am Schöpfungsauftrag bringt es mit sich, dass die Frau die Entscheidung für oder gegen ein Kind letztlich nur allein in verantworteter Freiheit treffen kann und treffen muss.“
Eine Haltung, die Pröpstin Anja Botta aufgreift: „Es gibt Situationen, die lassen sich nicht eindeutig auflösen. Gerade dann braucht es Vertrauen in das Gewissen der Frau. Entscheidungen in solchen Konflikten sind in der Regel von Schmerz und Ernsthaftigkeit geprägt – und verdienen Respekt.“
Auch aus der Rolle von Mitarbeiterinnen des Frauenwerks ist die Haltung zum Thema §218 für Trommler-Müllauer und ihre Kolleginnen klar: „Das Frauenwerk beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema. 2023 hat unser Dachverband, die ‚Evangelischen Frauen in Deutschland‘ eine Petition verabschiedet, in der wir „eine vollständige Abschaffung der Kriminalisierung und Bevormundung des § 218 fordern – bei gleichzeitiger verlässlicher gesundheitlicher und sozialer Versorgung aller Schwangeren.“
Das Thema gehöre unbedingt aus dem Strafrecht und müsse zukünftig beispielsweise über ein Schwangerschaftskonfliktgesetz geregelt werden. Für die Frauen sei wichtig, dass theologische Reflexion und der Einsatz für Menschenrechte zusammengedacht werden: „Frauenrechte sind Menschenrechte – und damit auch ein Thema für Kirche“, sagt Trommler‑Müllauer.
Für Gisela Best gehört das Thema insgesamt breiter gefasst, denn schnell verliere man sich in einer polarisierenden Pro-Contra-Debatte: „Es geht um so viel mehr als nur diesen einen medizinischen Eingriff, es geht um Care-Arbeit, um Pay-Gaps, um die Frage, ob man ein Kind in diese Welt setzen kann und will. Da muss strukturell viel mehr gelöst werden.“ Schon die Frage „Ist die Frau oder der Embryo wichtiger?“ sei schief, ergänzt sie. „Der Embryo existiert nur im Körper der Frau. Man kann die Rechte nicht gegeneinander ausspielen.“