Für Markus Hoppe, der sich selbst als katholisch sozialisiert beschreibt, ist Kirche beides: ein Ort, an dem er ein gut aufgefangenes Coming-out erlebt hat – in der Jugendarbeit in seiner Gemeinde – und auf der anderen Seite eine Institution, zu der er ein zwiespältiges Verhältnis hat.
Gleichzeitig schätzt er die Strahlkraft von Kirche: Wenn ein Kirchenkreis seine Gemeinden anschreibt und einlädt, selbst Patron zu werden, dann wirkt das bis in die kleinsten Einheiten hinein – in Gemeindegespräche, Konfirmandengruppen, Seniorenkreise, Jugendarbeit. „Es ist etwas anderes, wenn ein Konzern ein Rundschreiben macht, als wenn eine Kirche das tut", sagt Markus.
Vanessa Lamm, evangelisch aufgewachsen, hat teils andere Erfahrungen mit Kirche: Sie habe früher nie eine pastorale Person über ihre sexuelle Orientierung informiert. Zusätzlich hat sie erlebt, wie zerstörerisch dogmatisch-konservative Auslegungen von Kirche für queere Menschen sein können. Aber gerade deshalb ist ihr klar, was auf dem Spiel steht: „Glaube und Kirche hätten eigentlich genau das Potenzial, was wir mit unserer Arbeit auch suchen – sichere Räume, Gemeinschaft, einen Liebesbegriff, der nicht an Bedingungen geknüpft ist. Ein Zuhause."
Wenn genau diese Institution sagt: „Du gehörst nicht dazu", sei das besonders verletzend, weil die Bindung so eng ist. Umgekehrt: Wenn Kirche den Raum öffnet, ist die Wirkung enorm. „Wenn queere Jugendliche und Erwachsene erleben: Meine Kirche will mich – das ist ein riesiger Unterschied."