27.07.2026
CSD

Nach Anschlag beim Berliner CSD: Hamburger Kirche zeigt Solidarität

Eine Regenbogenfahne auf einem CSD

Bestürzung und Beistand

Beim Christopher Street Day in Berlin ist am Samstagabend ein Mensch getötet worden, mindestens 29 weitere wurden schwer verletzt. Ganz Deutschland zeigt sich bestürzt über die Tat. Auch aus Hamburg kommen von kirchlicher Seite solidarische Reaktionen. 

Von Christian Schierwagen

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf dem Berliner Christopher Street Day (CSD) am Samstagabend, 25. Juli 2026, bei dem eine Person starb und mindestens 29 weitere teils lebensgefährlich verletzt wurden, häufen sich bundesweit bestürzte Reaktionen. Auch die Ev.-Luth. Kirche in Hamburg findet klare Worte der Trauer und Solidarität für die Opfer und Angehörigen.

Stimmen aus Hamburg

Aus der Hansestadt meldeten sich Vertreter*innen der Ev.-Luth. Kirche zu Wort. Pröpstin Anja Botta ist erschüttert über den „schrecklichen Anschlag aus Berlin“. In Gedanken und ihren Gebeten sei sie bei den Betroffenen: „Sie wurden Opfer dieser sinnlosen Gewalt, weil sie demonstriert haben für Freiheit, Sichtbarkeit und grundlegende Menschenrechte.“ Mit Blick auf den geplanten CSD in Hamburg am Samstag, 1. August 2026, sagt sie weiter: „Wir stehen weiterhin und noch deutlicher an der Seite der queeren Community. Jetzt in der Hamburger Pride Week und beim kommenden CSD, aber auch darüber hinaus.“ 

"Der Anschlag auf den CSD in Berlin ist entsetzlich. Er trifft Menschen, die sich auf fröhliche und friedliche Weise einsetzen für die Akzeptanz und Wertschätzung geschlechtlicher Vielfalt“, heißt es von Propst Dr. Martin Vetter. „Mindestens ein Mensch verlor das Leben, andere schweben in Lebensgefahr. Den Hinterbliebenen gilt unsere Anteilnahme, ebenso wie den Verletzten und ihren Angehörigen.“ Als Evangelische Kirche verurteile man die Gewalttat, so der Propst weiter. „Wir setzen uns ein für ein öffentliches Leben in sichtbarer geschlechtlicher Vielfalt und Toleranz.“

Bundesweite Bestürzung

Menschen aus Politik und Zivilgesellschaft in ganz Deutschland zeigen sich über den Anschlag bestürzt. Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilte die „abscheuliche Tat“, viele weitere Politiker*innen beschreiben den Anschlag als Angriff auf eine freie und weltoffene Gesellschaft. Auch die Ev.-Luth. Kirche positioniert sich klar an der Seite der Opfer und betont, dass Hass nicht das letzte Wort haben darf.  

Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, äußerte sich am Sonntag auf Instagram mit deutlichen Worten: „Die Nachrichten über den Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin erschüttern mich zutiefst.“ Sie trauere um den Menschen, der sein Leben verloren hat, und bete für die Verletzten, ihre Angehörigen „und alle, die dieses furchtbare Geschehen miterleben mussten“. 

Gewalt, so die Landesbischöfin weiter, sei immer ein Angriff auf die Würde, die Freiheit und die Sicherheit von allen. „Als Kirche stehen wir an der Seite derjenigen, die für Vielfalt, Respekt und die Freiheit eintreten, lieben zu dürfen, wen ihr Herz wählt – denn Liebe tut der Seele gut.“ 

Hamburger Gottesdienst am Sonntagabend

In Hamburg fand am Sonntagabend ein Gottesdienst in der Hl. Dreieinigkeitskirche in St. Georg statt. Unter dem Titel „PridePrayer – Haltung zeigen!“ war der Gottesdienst ursprünglich als Start der Hamburger Pride Week gedacht, erhielt durch den Anschlag am Vortag aber einen anderen Schwerpunkt.

„Heute Abend suchen viele von uns nach einem Ort. Nach dem, was gestern beim CSD in Berlin passiert ist, nach der Angst, der Trauer, der Frage, ob wir sicher feiern und sichtbar sein können. Wir öffnen heute Abend unsere Kirche“, schrieb Jens Ehebrecht-Zumsande, Religionspädagoge und Leiter des Strategiebereichs Missionarische Kirche im Erzbistum Hamburg unter dem Einladungs-Post der Hl. Dreieinigkeitskirche St. Georg.

„Wir bleiben trotzdem sichtbar, gemeinsam, im Glauben, dass Liebe größer ist als Furcht. Kommt, wie Ihr seid. Ihr seid hier willkommen.“ 

Der frühere Vorsitzende von Hamburg Pride, Stefan Mielchen, rief dazu auf, sich für den kommenden CSD in der Innenstadt nicht einschüchtern zu lassen. Der Anschlag mache traurig, fassungslos und wütend. „Aber er macht uns nicht sprachlos. Und schon gar nicht macht er uns unsichtbar.“ Es gelte gerade jetzt, den Christopher Street Day selbstbewusst zu feiern und sichtbar zu bleiben, so Mielchen gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Unsere Freiheit ist nicht verhandelbar. Unsere Sichtbarkeit ist nicht verhandelbar.“

Was in Berlin geschah

Am Rande des CSD in Berlin ist am Samstagabend ein Kleintransporter im Bereich des Tiergartens in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau starb noch vor Ort, mindestens 29 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Der Attentäter wurde wenige Stunden später in einer Kleingartenkolonie in Berlin-Spandau von Einsatzkräften erschossen. 

Die Veranstalter des CSD brachen noch am Samstagabend die Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor ab, auch das für Sonntag geplante CSD-Frühstück wurde abgesagt. Am Sonntagabend wurde das Brandenburger Tor in Regenbogenfarben, dem Symbol der queeren Szene, angeleuchtet. Auch der Schriftzug „Berlin, Stadt der Freiheit“, war auf dem Wahrzeichen zu lesen. 

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