Malte Stets erlebt in seinem Alltag drei Gruppen von Menschen. Manche kommen mit pragmatischen Anliegen: Sie brauchen Hilfe bei Behördengängen, suchen Wohnraum, haben Fragen an das Jobcenter. „Ganz klassische Sozialberatungsthemen", sagt Stets – und kommen eben hierher, weil sie hier ein Verständnis für ihren Kontext erwarten, das sie woanders nicht finden. Andere suchen Gemeinschaft: Ein offenes Frühstücksformat einmal die Woche ist für viele einfach ein Ort, an dem sie dazugehören können.
Eine dritte Gruppe ist besonders: Menschen, die seit vielen Jahren mit HIV leben. Stets nennt sie die „Veteranengruppe" – Langzeitpositive, die Anfang der 1990er Jahre erlebt haben, wie Freunde und Bekannte starben, und die durch frühe Therapien und medizinischen Fortschritt überlebt haben, was damals für viele andere ein Todesurteil war. Heute ist HIV bei konsequenter Behandlung gut kontrollierbar, die Lebenserwartung nahezu normal. Aber was sie erlebt haben, bleibt. „Diese Menschen brauchen einen Schutzraum im Schutzraum", sagt Stets.
Und was bewegt die Menschen, die zu ihm kommen? Seine Antwort ist simpel: „Am Ende bewegt sie genau dasselbe wie nicht-queere Menschen." Die entscheidende Frage sei doch: Wie kann ich gut leben? „Das sind Fragen, die alle bewegen", so der Seelsorger.